{"id":13935,"date":"2022-07-26T09:21:07","date_gmt":"2022-07-26T07:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/zurzeit.at\/?p=13935"},"modified":"2022-07-26T09:21:07","modified_gmt":"2022-07-26T07:21:07","slug":"zinsen-hoch-schulden-noch-hoeher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zurzeit.at\/index.php\/zinsen-hoch-schulden-noch-hoeher\/","title":{"rendered":"Zinsen hoch, Schulden noch h\u00f6her"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"licensetpl_attr\">Autor: <a href=\"https:\/\/zurzeit.at\/index.php\/autoren\/\">U.K.<\/a> Bild: <span class=\"attribution_field \"><a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/moritz320-1260270\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=917439\">moritz320<\/a> auf <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=917439\">Pixabay<\/a><\/span> Lizenz: \u2013<br \/>\n<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h1>EZB f\u00fchrt unlimitiertes Schuldenankaufprogramm f\u00fcr S\u00fcdl\u00e4nder ein<\/h1>\n<p>Es ist gut, dass der Rat der Europ\u00e4ischen Zentralbank immer donnerstags seine zinsrelevanten Sitzungen abh\u00e4lt. Dann hat der Autor \u00fcbers Wochenende hinreichend Mu\u00dfe, das Kleingedruckte in den EZB-Verlautbarungen zu studieren, und in Ruhe zu analysieren, was denn Madame Lagarde und ihre Mitstreiter*_+?Innen in Frankfurt nun wirklich im Schilde f\u00fchren.<\/p>\n<p>So war&#8217;s auch diesmal wieder. Zum ersten Mal seit 11 Jahren erh\u00f6hte die EZB die Leitzinsen im Euro-Raum, und zwar gleich um &#8222;sagenhafte&#8220; 0,5 Prozentpunkte. Da hinkt man halt dem Rest der Welt hinterher (Ausnahme: Bank of Japan), aber angesichts einer Teuerung jenseits von 8% blieb den Notenbankern in Frankfurt jetzt gar nichts anderes mehr \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Das wurde in der Mainstream-Presse auch geb\u00fchrend gew\u00fcrdigt, von einem &#8222;historischen&#8220; Zinsschritt war die Rede (der Autor kann sich aus seiner knapp 40-j\u00e4hrigen Berufspraxis allerdings an ganz andere Zinserh\u00f6hungen erinnern). V\u00f6llig \u00fcbersehen haben aber die Kollegen dort, dass am selbigen Tage von der EZB ein neues, vollkommen unlimitiertes Schuldenankaufprogramm f\u00fcr Staatsanleihen der Euro-Zone ins Leben gerufen wurde, das die Finanzwelt so noch nicht gesehen hat. Als Entschuldigung m\u00f6ge gelten, dass die EZB dieses neue Hilfsprogramm f\u00fcr Europas Schuldenkaiser nur in englischer Sprache (noch dazu im Notenbanker-Jargon) verk\u00fcndet hat, w\u00e4hrend ansonsten die Kommuniqu\u00e9s auch in Deutsch und allen anderen Euro-Landessprachen verbreitet werden.<\/p>\n<p>&#8222;Transmission Protection Instrument&#8220; (TPI) heisst das neue Zauberwerkzeug, welches in Zukunft verhindern soll, dass L\u00e4nder wie Italien, Griechenland und Zypern wesentlich mehr Zinsen f\u00fcr ihre Staatsschulden als beispielsweise Deutschland, \u00d6sterreich oder die Niederlande zahlen m\u00fcssen. Denn aufgrund der jetzigen, und wohl auch der demn\u00e4chst weiteren, Zinserh\u00f6hungen w\u00fcrden die Umlaufrenditen f\u00fcr die hochverschuldeten Euro-S\u00fcdl\u00e4nder in Regionen steigen, bei denen die Zinslast volkswirtschaftlich schlicht untragbar wird und somit der Staatsbankrott droht. Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits Mitte Juni, als Insider erstmals \u00fcber solch ein neues Schuldenankaufprogramm munkelten (<a href=\"https:\/\/zurzeit.at\/index.php\/juni-gewitter-am-zinsmarkt\/\"><em>ZurZeit<\/em> berichtete<\/a>).<\/p>\n<p>Seit letztem Donnerstag wissen wir also nun Genaues. Allein schon der Name ist eine Meisterleistung politischen Sch\u00f6nsprechs: &#8222;Transmission Protection Instrument&#8220;, &#8222;\u00dcbertragungs-Schutz-Instrument&#8220;, das kann ja nur etwas Gutes verheissen. Da ist der urspr\u00fcnglich in Juni kolportierte Name &#8222;De-Fragementierungs-Mechanismus&#8220; ja geradezu ekelhaft. Denn gegen ein &#8222;Schutz-Instrument&#8220; kann ja nun wirklich kein rechtschaffener B\u00fcrger etwas haben, oder?<\/p>\n<p>Studiert man aber die Details, so entpuppt sich das neue TPI als ein exakt auf die Euro-S\u00fcdstaaten zugeschnittenes Anleiheankaufprogramm, das weder zeitliche noch mengenm\u00e4\u00dfige Grenzen kennt. Wieviel, wie lange und von wem die EZB Staatsanleihen aufkauft und damit den Schuldern Geld gibt, steht einzig und allein im Ermessen des EZB-Direktoriums. &#8222;Purchases are not restricted ex ante.&#8220; &#8211; &#8222;die Ank\u00e4ufe sind von vornherein nicht begrenzt&#8220;, heisst es wortw\u00f6rtlich in den Richtlinien. Anders als bei den bisherigen St\u00fctzungsprogrammen gibt es keine besonderen Budget-Sparregeln, denen sich der unterst\u00fctzte Staat unterwerfen m\u00fcsste, und auch keine zeitliche Begrenzung. Ob das TPI-Programm jemals wieder endet, unterliegt schlicht der subjektiven Einsch\u00e4tzung des EZB-Rats. Und da haben die sparsamen Nordl\u00e4nder ganz klar die Minderheit.<\/p>\n<p>Zudem kennt das TPI keine Parit\u00e4tsregeln mehr. Bisherige Anleiheankaufprogramme sahen n\u00e4mlich H\u00f6chstgrenzen f\u00fcr den Kauf von Schuldverschreibungen einzelner Staaten vor, die auch an der relativen Wirtschaftskraft der L\u00e4nder innerhalb der Eurozone orientiert waren. Das entf\u00e4llt nun, die EZB kann somit theoretisch Italien st\u00fctzen und finanzieren, bis die Notenpresse platzt. Nat\u00fcrlich sollen die bisherigen Programme, wie z.B. das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), weitergef\u00fchrt und f\u00e4llig werdende Gelder unverz\u00fcglich in neue Staatsanleihen reinvestiert werden.<\/p>\n<p>Wie damit die Inflation in der Euro-Zone einged\u00e4mmt werden soll, ist nicht nur dem Autor unklar. Denn der Effekt jeder Zinserh\u00f6hung wird sofort konterkariert durch eine Ausweitung der Geldmenge und der EZB-Bilanzsumme, wenn bestehende Anleihek\u00e4ufe nicht zur\u00fcckgef\u00fchrt und zudem noch kr\u00e4ftig neue Staatsschulden in die B\u00fccher \u00fcbernommen werden. Da hat man in Frankfurt nat\u00fcrlich wenig Interesse, das neue TPI-Tool der \u00d6ffentlichkeit bekannt zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: U.K. Bild: moritz320 auf Pixabay Lizenz: \u2013 EZB f\u00fchrt unlimitiertes Schuldenankaufprogramm f\u00fcr S\u00fcdl\u00e4nder ein&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":13936,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[48,50],"tags":[2079,8024,279,4013,548,280],"class_list":["post-13935","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-europa","category-wirtschaft","tag-euro","tag-eurokriese","tag-ezb","tag-inflation","tag-schulen","tag-zinsen"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Zinsen hoch, Schulden noch h\u00f6her - ZurZeit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/zurzeit.at\/index.php\/zinsen-hoch-schulden-noch-hoeher\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Zinsen hoch, Schulden noch h\u00f6her - 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