{"id":22920,"date":"2026-07-13T21:30:45","date_gmt":"2026-07-13T19:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/zurzeit.at\/?p=22920"},"modified":"2026-07-13T21:30:45","modified_gmt":"2026-07-13T19:30:45","slug":"europas-stille-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zurzeit.at\/index.php\/europas-stille-krise\/","title":{"rendered":"Europas stille Krise"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"licensetpl_attr\"><span class=\"plainlinks noprint\">Autor:\u00a0<a href=\"https:\/\/zurzeit.at\/index.php\/autoren\/\">R.T.<\/a>\u00a0<\/span><\/span><span class=\"licensetpl_attr\"><span class=\"plainlinks noprint\">Bild: ZZ\/Archiv\u00a0<\/span><\/span><span class=\"licensetpl_attr\"><span class=\"plainlinks noprint\">Lizenz: \u2013<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p>Europa altert \u2013 und zwar schneller als erwartet. Im Jahr 2024 wurden in den 27 EU-Mitgliedstaaten nur noch rund 3,55 Millionen Kinder geboren. Gleichzeitig sank die Geburtenziffer auf 1,34 Kinder je Frau \u2013 den niedrigsten Wert seit Beginn der vergleichbaren EU-Statistik im Jahr 2001. Die Zahlen sind mehr als eine demografische Randnotiz. Sie betreffen die Zukunft von Arbeitsmarkt, Sozialstaat und Wirtschaft gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<h2>Europa bekommt immer weniger Kinder<\/h2>\n<p>Nach Angaben von Eurostat kamen 2024 rund 117.000 Kinder weniger zur Welt als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Geburtenziffer sank von 1,38 auf 1,34 Kinder je Frau.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Unter den heutigen Sterblichkeitsverh\u00e4ltnissen w\u00e4ren langfristig rund 2,1 Kinder je Frau erforderlich, damit sich eine Generation ohne Nettozuwanderung zahlenm\u00e4\u00dfig selbst ersetzt. Kein einziger EU-Mitgliedstaat erreicht diesen Wert mehr.<\/p>\n<p>Besonders niedrige Geburtenraten verzeichnen Malta, Spanien und Litauen. Auch Frankreich, das jahrzehntelang als familienpolitisches Vorzeigeland galt, liegt inzwischen deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau.<\/p>\n<p>Die Folgen sind bereits sichtbar. Seit Jahren sterben in der Europ\u00e4ischen Union mehr Menschen, als geboren werden. Das nat\u00fcrliche Bev\u00f6lkerungswachstum ist negativ. Die Bev\u00f6lkerungszahl w\u00e4chst nur noch durch Zuwanderung.<\/p>\n<h2>Die Ursachen sind komplex \u2013 die Debatte oft einseitig<\/h2>\n<p>Warum immer weniger Kinder geboren werden, l\u00e4sst sich nicht auf einen einzelnen Grund reduzieren. Hohe Wohnkosten, wirtschaftliche Unsicherheit, Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sp\u00e4tere Partnerschaften sowie ein steigendes Alter bei der Geburt des ersten Kindes spielen ebenso eine Rolle wie gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Umso bemerkenswerter ist, worauf sich die politische Debatte in Europa konzentriert.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt stehen meist die Folgen des demografischen Wandels: Fachkr\u00e4ftemangel, Finanzierung der Pensionssysteme oder der Bedarf an zus\u00e4tzlicher Arbeitsmigration. Wesentlich seltener wird dar\u00fcber gesprochen, wie sich die Rahmenbedingungen f\u00fcr junge Familien dauerhaft verbessern lassen.<\/p>\n<p>Zuwanderung kann den R\u00fcckgang der Erwerbsbev\u00f6lkerung kurzfristig abmildern und Engp\u00e4sse am Arbeitsmarkt entsch\u00e4rfen. Sie ersetzt jedoch keine Familienpolitik. Denn die Ursachen sinkender Geburtenraten bleiben dadurch unver\u00e4ndert bestehen.<\/p>\n<h3>Europas Zukunft entscheidet sich heute<\/h3>\n<p>Die Geburtenkrise ist keine Herausforderung f\u00fcr die ferne Zukunft. Sie beeinflusst schon heute den Arbeitsmarkt, die Finanzierung der Sozialsysteme und die wirtschaftliche Entwicklung Europas.<\/p>\n<p>Selbst eine steigende Geburtenrate w\u00fcrde den Arbeitsmarkt erst mit erheblicher Verz\u00f6gerung entlasten. Familienpolitik ist deshalb keine kurzfristige Antwort auf den Fachkr\u00e4ftemangel, sondern eine langfristige Investition in die Zukunft eines Landes.<\/p>\n<p>Gerade deshalb m\u00fcsste die Frage nach den Bedingungen f\u00fcr Familien einen deutlich h\u00f6heren politischen Stellenwert erhalten. Denn wer den demografischen Wandel dauerhaft bew\u00e4ltigen will, darf sich nicht darauf beschr\u00e4nken, seine Folgen zu verwalten.<\/p>\n<p>Die eigentliche demografische Herausforderung Europas beginnt nicht an den Au\u00dfengrenzen. Sie beginnt dort, wo immer weniger junge Menschen den Schritt zur Familiengr\u00fcndung wagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor:\u00a0R.T.\u00a0Bild: ZZ\/Archiv\u00a0Lizenz: \u2013 Europa altert \u2013 und zwar schneller als erwartet. 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