Othmar Karas hat eine Vision

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Autor: E.K.-L. Bild: Wikipedia/Vincent VAN DOORNICK Lizenz: CC BY 3.0


Schwarzer Alt-Mandatar möchte Präsident des EU-Parlaments werden

Um nicht missverstanden zu werden: Der Titel ist keine Anspielung auf die seinerzeitige Vranitzky-Äußerung, wer Visionen habe, der brauche einen Arzt.

Worum geht es? Othmar Karas (64), ÖVP-Mandatar im EU-Parlament, kündigt für Dienstag, den 9. November, eine persönliche Erklärung an. Praktisch alle politischen Beobachter erwarten einen Mandatsverzicht, da für Karas der wohlverdiente Ruhestand am Horizont heraufzieht. Zudem ist er innerhalb der ÖVP-Mandatare in Straßburg völlig isoliert, ein Außenseiter.

Doch man wird enttäuscht. Weil Karas in einer Erklärung gleichsam nach den Sternen greift – der Mann will allen Ernstes Vorsitzender („Präsident“) des EU-Parlaments werden, da nach einer Vereinbarung zwischen der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) und den Sozialdemokraten das Amt des Präsidenten im Jänner 2022 zur EVP wandert. Nach Karas‘ Darstellung unterstütze das halbe Dutzend ÖVPler unter den Abgeordneten seine Bewerbung.

Hat der gute Mann, dessen einschläfernder Sprechduktus allerorten bekannt ist und der irgendwie aus der Zeit gefallen scheint, überhaupt eine realistische Chance? Man muss es offen aussprechen: Nein. Da ist einmal die erste Stufe, die Nominierung innerhalb der EVP-Fraktion (179 Mitglieder). Die Wiener Tageszeitung Die Presse schreibt dazu: „Ein Name der dabei immer wieder auftaucht, ist jener von Roberta Metsola, einer Christdemokratin aus Malta. Auch die Niederländerin Esther de Lange dürfte sich Chancen ausrechnen. Zuletzt wurde auch die ehemalige polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz ins Spiel gebracht. Fraktionschef Manfred Weber unterstützt laut internen Kreisen Metsola.  Die Nominierung in der EVP-Fraktion ist für Ende November geplant.“

Gewiss, das Match ist unfair: Hier ein alter weißer Mann, dort drei charmante Damen. Da nützt der Hinweis von Karas auf seine 22 Jahre als Mandatar nicht viel. Das klingt ähnlich hilflos, wie die Stellenanzeigen betagter, aber stellenloser Manager, sie verfügten über langjährige Erfahrung.

Paradoxerweise hätte Karas (derzeit ist er einer von 14 Vizepräsidenten) im Plenum des EU-Parlaments mit seinen 705 Mandataren mehr Aussicht auf Erfolg, weil er sich mit seinen die EVP verstörenden Ausritten weit nach links – eindrucksvoll untermauert durch seine Position in der Frage, was mit den en masse hereinströmenden Migranten aus Asien und Afrika geschehen solle – bei den Sozialisten, Grünen und Liberalen einen weißen Fuß macht, wie man bei uns volkstümlich sagt. Böse Zungen kennen da noch Ausdrücke, die wenig druckreif sind.

Karas probiert es nunmehr zum zweiten Mal. Bereits 2017 scheitert ein erster Versuch des Waldheim-Schwiegersohns. Diesmal dürfte es kaum besser um ihn stehen. Der Standard formuliert es taktvoll: „Wer das Rennen mache, sei offen, heißt es in der Fraktion, eine der Frauen habe wohl die besseren Chancen als Karas …“

Ob da nicht ein zeitlich selbstbestimmter Abgang in Würde ein besseres Bild hinterlassen hätte?

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