Norbert Nemeth: Ein Mann des Denkens, und der Tat, ein Freund

Ein persönlicher Nachruf von Wendelin Mölzer auf Norbert Nemeth

by admin2

Autor: Wendelin Mölzer Bild: Privat Lizenz: –


Eigentlich steht es mir nicht zu, auf Norbert Nemeth, seines Zeichens Autor, Parlamentsrat, Jurist, Klubdirektor, Klubobmann-Stellvertreter und Präsident des Atterseekreises, einen Nachruf zu verfassen. Eigentlich.

Andererseits könnte man einwenden, dass meine Wenigkeit gemeinsam mit unserem Verlag zuletzt zu den Verlegern Norberts zählte, dessen qualitativ hochwertige historische Romane wir veröffentlichen durften, und dass wir allein deshalb sehr wohl berechtigt wären, einen Nachruf auf ihn zu verfassen. Ich persönlich habe mich allerdings dazu entschieden, einen sehr persönlichen Nachruf auf Norbert zu schreiben.

Norbert Nemeth, geboren 1969 in Wien, aufgewachsen in Meidling, sozialisiert im Wien der 1970er- und 1980er-Jahre, war bereits als Schüler Mitglied der pennalen Burschenschaft Vandalia Wien. In weiterer Folge studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und wurde Mitglied der Burschenschaft Olympia. Er sollte zu einer der prägenden Persönlichkeiten des österreichischen nationalliberalen und freiheitlichen Lagers werden.

Mich persönlich hat Norbert vor allem deshalb geprägt, weil ich eigentlich in diesen Tagen des Jahres 2026 das 20-jährige Jubiläum unserer Bekanntschaft hätte begehen wollen. Nicht, weil wir uns damals bloß kennengelernt hätten, sondern weil meine Wenigkeit vor nunmehr 20 Jahren von Norbert Nemeth, damals Klubdirektor, die Chance erhielt, als kleiner Referent im freiheitlichen Parlamentsklub tätig zu werden. Es war die Zeit nach der Spaltung des Dritten Lagers, als es darum ging, den freiheitlichen Parlamentsklub neu aufzubauen, den politischen Wiederaufstieg der FPÖ unter Heinz-Christian Strache, der im Übrigen Norberts Leibfuchs war, mitzuerleben und dort meine ersten politischen Meriten zu erwerben.

Norbert Nemeth war es, der als damals noch recht junger Klubdirektor, der aus der Volksanwaltschaft gekommen war, ein außergewöhnliches Geschick bewies. Sein persönlicher Traum war es übrigens stets gewesen, eines Tages selbst Volksanwalt zu werden. Ein Wunsch, der ihm letztlich verwehrt blieb – wohl eher zum Glück für die Freiheitliche Partei.

Denn Norbert war jener Mann, der in unruhigen Zeiten – und davon gab es in der FPÖ bekanntlich immer wieder mehr als genug, insbesondere im Jahr 2006, aber auch später – Ruhe und Ordnung in die eigenen Reihen brachte. Mit herausragenden Management- und Führungsqualitäten auf der einen Seite sowie inhaltlicher Konstanz, strategischer Überlegenheit und politischer Weitsicht auf der anderen Seite führte er die Freiheitliche Partei durch stürmische Gewässer und trug maßgeblich dazu bei, dass sie in weiterer Folge große Erfolge feiern konnte.

Auch wenn er nach außen hin vielleicht ein Mann der zweiten oder dritten Reihe gewesen sein mag, war er doch stets eines der entscheidenden Masterminds hinter zahlreichen kleinen und großen Entscheidungen der Freiheitlichen Partei in den vergangenen zwei Jahrzehnten.

Bemerkenswert war dabei, dass gerade dieser Wiener Protestant, dessen umfassende historische Bildung und tiefes Wissen sich nicht zuletzt in seinen historischen Romanen widerspiegelten, ein Mann von außergewöhnlicher intellektueller Tiefe war. Weitsicht, Umsicht, Bedächtigkeit, Ruhe und Ausgeglichenheit zeichneten ihn aus. Charaktereigenschaften, die in der heutigen Politik durchaus Seltenheitswert besitzen und die diesen Mann in besonderer Weise ausmachten.

Ob in den stürmischen Zeiten der Opposition, in denen es bisweilen auch mit dem einen oder anderen Parteiobmann Schwierigkeiten gab, oder bei den Verhandlungen über Regierungsbeteiligungen und Regierungsprogramme: Norbert Nemeth war immer zur Stelle. Er war im besten Sinne des Wortes ein Soldat seiner Partei. „Wo mich die Partei hinstellt, dort stehe ich.“ Das war sein Motto, und danach lebte und handelte er.

Volksanwalt wollte er werden, doch dieser Wunsch erfüllte sich aus unterschiedlichen Gründen nicht. Wie bereits gesagt: aus Sicht der Freiheitlichen Partei wohl ein Glücksfall, wäre ihr doch andernfalls sein unschätzbares Wissen, seine Erfahrung und sein strategisches Können in dieser Form verloren gegangen.

Die Regierungsverhandlungen des Jahres 2017 wurden von ihm im Hintergrund maßgeblich mitgeprägt. Doch man darf auch seine Rolle bei zahlreichen Verhandlungen auf Landesebene nicht vergessen. Ob in Niederösterreich oder Salzburg, wo es darum ging, die FPÖ als Juniorpartner in Regierungsverantwortung zu bringen, oder in der Steiermark, wo schließlich sogar das Amt des Landeshauptmannes errungen werden konnte: Norbert Nemeth war stets zur Stelle. Er brachte sein Wissen, seine Umsicht und sein strategisches Denken ein und verstand es wie kaum ein anderer, politische Möglichkeiten zu erkennen, Kräfteverhältnisse richtig einzuschätzen und daraus konkrete Erfolge zu formen.

Wer Norbert persönlich kannte, wer mit ihm befreundet war oder unter seiner Führung arbeiten durfte, könnte wohl unzählige Anekdoten zum Besten geben. Manche davon wären freilich nicht ganz schicklich, andere würden vielleicht diese Republik und so manchen ihrer vermeintlich großen Repräsentanten allzu sehr diskreditieren. Belassen wir es daher bei der Feststellung, dass es an solchen Geschichten wahrlich nicht mangeln würde.

Eines aber lässt sich mit Gewissheit sagen: Der integre Norbert Nemeth hat diese Republik geprägt. Nachhaltig geprägt. Und auch wenn er den erhofften politischen Durchbruch der Freiheitlichen und eine mögliche Kanzlerschaft Herbert Kickls in den kommenden Jahren leider nicht mehr miterleben darf, so werden sein Wissen, seine Überzeugungen und sein politisches Vordenken bei jenem grundlegenden Wandel, für den er selbst stets eingetreten ist, weiterwirken. Sein geistiges Vermächtnis wird uns begleiten, wenn es darum geht, die politischen Verhältnisse in Österreich neu zu gestalten.

Böse Zungen behaupten, dass Revolutionen ihre Märtyrer brauchen. Doch Norbert Nemeth war kein Märtyrer. Er war ein Mann des Denkens, ein Mann des Handelns und vor allem auch ein Mann des Lebens. Denn Norbert war, wie jene wissen, die ihn näher kannten, durchaus auch ein Lebemann. Er liebte das italienische Jesolo, er liebte das Meer, er liebte die schönen Seiten des Lebens. Vor allem aber liebte er seine Familie, seine Frau und seine drei Kinder. Er war ein Bonvivant, wenn man so will, ein Genießer, der einer guten Zigarre und einem guten Whisky durchaus etwas abgewinnen konnte.

Doch hinter dieser lebensbejahenden, genussfreudigen Seite stand stets ein Mann, der den Ernst der politischen und gesellschaftlichen Lage erkannte. Ein Mann, der sich um die Zukunft unseres Volkes sorgte und der unermüdlich danach strebte, die Dinge zum Besseren zu wenden. Einer, der nicht bloß analysierte und kritisierte, sondern Verantwortung übernahm, gestaltete und handelte.

Gerade diese Verbindung aus intellektueller Brillanz, politischer Entschlossenheit, persönlicher Loyalität und menschlicher Lebensfreude machte Norbert Nemeth zu jener außergewöhnlichen Persönlichkeit, als die wir ihn in Erinnerung behalten werden.

Lieber Norbert, du hast mich persönlich geprägt. Du warst mir ein Vorbild, ein Lehrmeister und vor allem ein enger Freund. Dafür werde ich dir immer dankbar sein. Du wirst stets einen festen Platz in meinem Herzen behalten.

Doch weit über das Persönliche hinaus wirst du auch im Herzen unserer freiheitlichen, unserer nationalliberalen Bewegung weiterleben. Dein Denken, deine Überzeugungen und dein Wirken werden fortbestehen. Und dein geistiges Erbe wird auch künftig eine Rolle spielen, wenn es darum geht, diese Republik und dieses Europa zum Besseren zu wenden.

Fiducit, lieber Norbert!

Das könnte Sie auch interessieren

Leave a Comment