Der Fall F. T.

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Autor: Manfred Tisal Bild: PxHere Lizenz: –


Kindesmisshandlung gehört wohl zu den schlimmsten Verbrechen. Das wird niemand bestreiten. Unschuldige, von skrupellosen Verbrechern sexuell ausgebeutete Jungen und Mädchen werden Opfer, um von abartigen, vielfach zugegeben auch psychisch kranken und belasteten Menschen Geld heraus zu locken. Ein ungeheuerliches Schreckensbild, das vor unseren Augen abläuft. Der Fall T. ist aber nur die Spitze eines Eisberges. Gott sei Dank hat man sich jetzt dazu aufgerafft, die Strafen für derartige Verbrechen zu erhöhen, was schon längst notwendig gewesen wäre. Aber wo bleiben die Strafen für jene, die es ermöglichen, dass solche Bilder zugänglich sind? Ein Mausklick genügt und jedermann kann jederzeit in die Welt derartiger Sexualpraktiken eintauchen. Ob auf Facebook, Twitter oder anderen sogenannten sozialen Medien. Wer legt denen das Handwerk, fordert eine bessere Kontrolle und bestraft?

Wenn es möglich ist, Wortbeiträge mit bedenklichen Inhalten zu löschen und aus dem Netz zu entfernen, muss es auch möglich sein, Gewalt und Sexismus aus dem Netz zu verbannen. Was den Fall T. (der Name erzeugt in Zusammenhang mit den Vorkommnissen Magenschmerzen) in Verbindung mit Kultur anbelangt, sei folgendes zu bedenken und nicht von der Hand zu weisen. Sexismus, obszöne Darstellungen und Nackedeis sind aus dem Kulturleben nicht wegzudenken. Sie gehören dazu. Egon Schieles und vieler anderer Künstler Darstellungen von Frauen erzielen Höchstpreise. Nitschs obszöne, aber gut besuchte Blutorgien haben ihn zum reichen Mann gemacht und wahrscheinlich auch die sexuellen Gelüste einiger Fans befriedigt.

Da ist diese oft fadenscheinige „me too“-Bewegung ein Klacks. Kürzlich stand in einer Tageszeitung ein Artikel den Opernstar Placido Domingo betreffend. Eine Frau beschuldigte den Startenor, sie vor mehr als 20 Jahren gefragt zu haben, ob er sie berühren darf. Eine andere beschuldigte ihn sogar, weil er sie küssen wollte. Ich habe jetzt ein schlechtes Gewissen, wenn ich daran denke, dass ich in den 70er Jahren mit einem Mädchen auf Tuchfühlung getanzt habe.
Der Fall T. ist also die eine Seite. Verachtend und zugleich bedenklich. „Me too“ die andere Seite. Der Vergleich Kultur und Sex ist aber eine weitere, über die es darüber nachzudenken lohnt. Der Regisseurin von „Corsage“, der die Oscarhürde nicht geschafft hat, wird es angesichts der Images und finanziellen Verluste nicht erspart bleiben. Genauso wie die Frage, wer hat sich mitschuldig gemacht, weil er geschwiegen hat. Sinnlos. Passiert ist Passiert. Oder hat die Politik eine bessere Antwort auf all diese Fragen? Ach ja, sie erhöht die Strafen und glaubt damit die Wurzel des Übels zu bekämpfen.

Manfred Tisal ist Kabarettist, Moderator, Autor und Journalist.

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