Donald Tusk steht unter Druck – nicht nur von außen, sondern zunehmend auch von innen. Die Niederlage seines Wunschkandidaten Trzaskowski gegen den patriotischen Herausforderer Karol Nawrocki hat die ohnehin bröckelnde Koalition in Warschau erschüttert. Jetzt will Tusk die Vertrauensfrage stellen – ein riskantes Manöver, das vor allem eines zeigen soll: Ich bin noch da.
In einer dramatischen Fernsehansprache kündigte der Premierminister am Montagabend an, man werde sich der Realität stellen – aber keinen Schritt zurückweichen. Notfallpläne seien vorbereitet, um auch mit einem oppositionellen Präsidenten zusammenarbeiten zu können. Doch der Tonfall verriet mehr als die Worte: Es geht ums politische Überleben.
Denn längst regt sich Widerstand – nicht nur von der konservativen Opposition, sondern auch im eigenen Lager. Szymon Hołownia, Sprecher des Sejm, sieht in der Präsidentenwahl eine rote Karte für die Regierung. Noch deutlicher wird Marek Sawicki: Er fordert Tusks Rücktritt und spricht offen von Faulheit und Desinteresse des Ministerpräsidenten. Worte, wie man sie sonst nur aus Oppositionskreisen kennt.
Dabei war Tusks Rückkehr 2023 mit großen Erwartungen verbunden: ein EU-naher Pragmatiker, der Polen wieder näher an Brüssel führen sollte. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die polnische Bevölkerung hat sich in Scharen gegen seinen Kurs gestellt – 39 Prozent der Nawrocki-Wähler gaben laut Umfragen an, primär gegen Trzaskowski gestimmt zu haben.
Nun droht der Regierung ein Schicksal, das viele ideologische Zweckbündnisse ereilt: interner Machtkampf, Vertrauensverlust, Erosion. Ob Tusk mit der Vertrauensfrage wirklich die Kontrolle zurückgewinnt – oder sich sein eigenes Misstrauensvotum schafft –, bleibt abzuwarten. Die Luft wird jedenfalls dünner.
