Europas stille Krise

Geburtenrate fällt auf Rekordtief

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Sinkende Geburtenrate in Europ

Autor: R.T. Bild: ZZ/Archiv Lizenz: –


Europa altert – und zwar schneller als erwartet. Im Jahr 2024 wurden in den 27 EU-Mitgliedstaaten nur noch rund 3,55 Millionen Kinder geboren. Gleichzeitig sank die Geburtenziffer auf 1,34 Kinder je Frau – den niedrigsten Wert seit Beginn der vergleichbaren EU-Statistik im Jahr 2001. Die Zahlen sind mehr als eine demografische Randnotiz. Sie betreffen die Zukunft von Arbeitsmarkt, Sozialstaat und Wirtschaft gleichermaßen.

Europa bekommt immer weniger Kinder

Nach Angaben von Eurostat kamen 2024 rund 117.000 Kinder weniger zur Welt als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Geburtenziffer sank von 1,38 auf 1,34 Kinder je Frau.

Zum Vergleich: Unter den heutigen Sterblichkeitsverhältnissen wären langfristig rund 2,1 Kinder je Frau erforderlich, damit sich eine Generation ohne Nettozuwanderung zahlenmäßig selbst ersetzt. Kein einziger EU-Mitgliedstaat erreicht diesen Wert mehr.

Besonders niedrige Geburtenraten verzeichnen Malta, Spanien und Litauen. Auch Frankreich, das jahrzehntelang als familienpolitisches Vorzeigeland galt, liegt inzwischen deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau.

Die Folgen sind bereits sichtbar. Seit Jahren sterben in der Europäischen Union mehr Menschen, als geboren werden. Das natürliche Bevölkerungswachstum ist negativ. Die Bevölkerungszahl wächst nur noch durch Zuwanderung.

Die Ursachen sind komplex – die Debatte oft einseitig

Warum immer weniger Kinder geboren werden, lässt sich nicht auf einen einzelnen Grund reduzieren. Hohe Wohnkosten, wirtschaftliche Unsicherheit, Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, spätere Partnerschaften sowie ein steigendes Alter bei der Geburt des ersten Kindes spielen ebenso eine Rolle wie gesellschaftliche Veränderungen.

Umso bemerkenswerter ist, worauf sich die politische Debatte in Europa konzentriert.

Im Mittelpunkt stehen meist die Folgen des demografischen Wandels: Fachkräftemangel, Finanzierung der Pensionssysteme oder der Bedarf an zusätzlicher Arbeitsmigration. Wesentlich seltener wird darüber gesprochen, wie sich die Rahmenbedingungen für junge Familien dauerhaft verbessern lassen.

Zuwanderung kann den Rückgang der Erwerbsbevölkerung kurzfristig abmildern und Engpässe am Arbeitsmarkt entschärfen. Sie ersetzt jedoch keine Familienpolitik. Denn die Ursachen sinkender Geburtenraten bleiben dadurch unverändert bestehen.

Europas Zukunft entscheidet sich heute

Die Geburtenkrise ist keine Herausforderung für die ferne Zukunft. Sie beeinflusst schon heute den Arbeitsmarkt, die Finanzierung der Sozialsysteme und die wirtschaftliche Entwicklung Europas.

Selbst eine steigende Geburtenrate würde den Arbeitsmarkt erst mit erheblicher Verzögerung entlasten. Familienpolitik ist deshalb keine kurzfristige Antwort auf den Fachkräftemangel, sondern eine langfristige Investition in die Zukunft eines Landes.

Gerade deshalb müsste die Frage nach den Bedingungen für Familien einen deutlich höheren politischen Stellenwert erhalten. Denn wer den demografischen Wandel dauerhaft bewältigen will, darf sich nicht darauf beschränken, seine Folgen zu verwalten.

Die eigentliche demografische Herausforderung Europas beginnt nicht an den Außengrenzen. Sie beginnt dort, wo immer weniger junge Menschen den Schritt zur Familiengründung wagen.

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