Andritz streicht weitere 500 Arbeitsplätze

Europas Industrie verliert ihre Substanz

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Autor: R.T. Bild: ZZ/Archiv Lizenz: –


Der österreichische Technologiekonzern Andritz baut bei seiner deutschen Tochter Schuler weitere rund 500 Stellen ab. Als Grund nennt das Unternehmen die anhaltend schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie. Der Fall steht exemplarisch für eine Entwicklung, die längst weit über einen einzelnen Konzern hinausgeht: Europas industrielle Basis verliert zunehmend an Stärke.

Schuler zahlt den Preis der Autokrise

Schuler gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Pressen und Umformtechnik für die Metallindustrie. Entsprechend eng ist das Unternehmen mit der europäischen Automobilbranche verbunden – einer Branche, die seit Jahren unter schwacher Nachfrage, steigenden Standortkosten, wachsender Konkurrenz aus China und milliardenschweren Investitionen in neue Antriebstechnologien steht.

Andritz-Chef Joachim Schönbeck kündigte deshalb an, bei Schuler im Laufe des Jahres rund 500 weitere Arbeitsplätze abzubauen. Bereiche wie Werkzeugbau und Pilotproduktionen sollen eingestellt werden. Bereits in den vergangenen fünf Jahren wurden bei Schuler mehr als 2.000 Stellen gestrichen.

Für Österreich ist das mehr als eine Unternehmensmeldung. Die heimische Industrie ist eng mit deutschen Wertschöpfungsketten verflochten. Schwächelt die deutsche Autoindustrie, geraten auch österreichische Maschinenbauer, Metallbetriebe und zahlreiche Zulieferer unter Druck.

Europa reguliert – die Werkhallen leeren sich

Der Stellenabbau bei Schuler ist Teil eines deutlich größeren Trends. Nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft EY verlor die deutsche Industrie innerhalb eines Jahres rund 127.300 Arbeitsplätze. Seit 2019 gingen insgesamt mehr als 341.000 Industriearbeitsplätze verloren. Allein in der Automobilindustrie wurden in diesem Zeitraum rund 125.800 Stellen abgebaut.

Die Ursachen reichen weit über die aktuelle Konjunkturschwäche hinaus. Hohe Energiepreise, zunehmende Bürokratie, internationale Konkurrenz und die politisch beschleunigte Transformation der Automobilindustrie setzen den Standort seit Jahren unter Druck.

Brüssel und Berlin reagieren darauf überwiegend mit Förderprogrammen, Subventionen und neuen Industrieinitiativen. Die strukturellen Probleme lösen sie damit jedoch kaum. Unternehmen brauchen vor allem wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und Investitionssicherheit.

Andritz-Chef Joachim Schönbeck formulierte diese Kritik ungewöhnlich deutlich. Europa müsse die Stromkosten senken, Bürokratie abbauen und wieder stärker auf marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen setzen, anstatt immer neue Förderprogramme aufzulegen.

Die Entwicklung wirft deshalb eine grundsätzliche Frage auf: Kann Europa seine industrielle Basis erhalten, wenn Produktion gleichzeitig mit steigenden Energiepreisen, strengeren Regulierungen und wachsender internationaler Konkurrenz konfrontiert wird?

Der Fall Schuler zeigt, dass diese Frage längst nicht mehr theoretisch ist. Sie entscheidet über Arbeitsplätze, Wertschöpfung und die industrielle Zukunft Europas – und damit auch Österreichs.

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