70 Jahre FPÖ: Vom politischen Außenseiter zur stärksten Kraft Österreichs

Festakt in der Hofburg und Volksfest am Stephansplatz. Herbert Kickl erklärt das Jubiläum zum Ausgangspunkt für den nächsten Anlauf auf das Kanzleramt. Die Geschichte der Freiheitlichen ist geprägt von Aufstieg, Spaltung und bemerkenswerter Wiederkehr

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Autor: A.R. Bild: Alois Endl Lizenz: –


Mit einem Festakt in der Wiener Hofburg und einem Volksfest auf dem Stephansplatz hat die FPÖ am Samstag ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Internationale Gäste wie Alice Weidel, Geert Wilders und Viktor Orbán unterstrichen dabei auch den gewachsenen Stellenwert der Freiheitlichen innerhalb der europäischen Rechten.

Parteichef Herbert Kickl wollte den Geburtstag ausdrücklich nicht als Schlusspunkt verstanden wissen. Die FPÖ sei nicht 70 Jahre alt, sondern „70 Jahre jung“ geworden. Als nächstes Ziel gab er erneut die Kanzlerschaft aus. Das Jubiläum sollte damit weniger Rückschau als politische Kampfansage sein.

Eine Geschichte ohne geraden Weg

Die FPÖ wurde 1956 aus dem Verband der Unabhängigen und der Freiheitspartei gebildet. Ihre frühen Jahre waren vom Dritten Lager, seiner deutschnationalen Tradition und den politischen Belastungen der Nachkriegszeit geprägt. Jahrzehntelang blieb sie eine kleinere Kraft zwischen ÖVP und SPÖ.

1983 gelang unter Norbert Steger erstmals der Eintritt in eine Bundesregierung. Mit der Wahl Jörg Haiders zum Parteiobmann im Jahr 1986 begann der Aufstieg zur Massenpartei. Die Regierungsbeteiligung mit der ÖVP im Jahr 2000 machte die FPÖ endgültig zu einem europäischen Politikum.

Die Geschichte der Partei ist jedoch keine geradlinige Erfolgserzählung. Die Abspaltung des BZÖ im Jahr 2005 brachte sie an den Rand der Bedeutungslosigkeit. Unter Heinz-Christian Strache folgte der Wiederaufbau, ehe die Ibiza-Affäre 2019 erneut eine Regierung sprengte und die Freiheitlichen schwer beschädigte.

Andere Parteien wären an einer solchen Abfolge aus Spaltungen, Skandalen und Wahlniederlagen wohl zerbrochen. Die FPÖ kehrte jedes Mal zurück.

Vom Protest zur Nummer eins

Unter Herbert Kickl gelang schließlich der bislang größte Wahlerfolg. Bei der Nationalratswahl 2024 erreichten die Freiheitlichen 28,85 Prozent und wurden erstmals stärkste Partei Österreichs. Obwohl sie nicht in die Bundesregierung eintraten, liegen sie auch danach in den meisten Umfragen deutlich vor der Konkurrenz.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass viele Themen, mit denen die FPÖ über Jahre isoliert wurde, inzwischen die politische Debatte bestimmen. Asylstopp, Rückführungen, Schutz der nationalen Souveränität, Kritik an Brüsseler Zentralismus und die Verteidigung der Neutralität galten lange als radikal. Heute übernehmen selbst frühere Gegner Teile dieser Forderungen, meist ohne die Freiheitlichen dafür zu erwähnen.

Das ist der vielleicht größte politische Erfolg der Partei: Sie hat nicht nur Wahlergebnisse verändert, sondern den zulässigen Rahmen der Debatte verschoben.

Jubiläum ist noch keine Machtübernahme

Trotzdem sollte das Jubiläum nicht zur unkritischen Selbstfeier verleiten. Die FPÖ hat einen erheblichen Teil ihrer Krisen selbst verursacht. Persönliche Eitelkeiten, interne Konflikte und mangelnde personelle Disziplin haben wiederholt Erfolge verspielt, die politische Gegner allein kaum hätten verhindern können.

Auch der Sprung von der Protest- zur dauerhaften Regierungspartei ist noch nicht vollzogen. Wer den Anspruch erhebt, Österreich grundlegend zu verändern, muss nicht nur Opposition beherrschen, sondern glaubwürdiges Personal, fachliche Kompetenz und politische Geschlossenheit vorweisen.

Nach 70 Jahren steht die FPÖ dennoch stärker da als jemals zuvor. Sie ist nicht mehr der geduldete Außenseiter der Zweiten Republik, sondern jene Kraft, gegen die sich das bestehende Parteiensystem organisiert und an der sich die nächste politische Richtungsentscheidung Österreichs ausrichten wird.

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