Politiker verweisen regelmäßig auf steigende Forschungsquoten und neue Förderprogramme. Doch am Ende stellt sich eine unbequeme Frage: Warum entstehen aus österreichischen Ideen so selten internationale Technologiekonzerne?
Das Problem beginnt nicht im Hörsaal. Es beginnt dort, wo Forschung den Sprung in den Markt schaffen müsste – und zu oft scheitert.
Forschung ist nicht das Problem
Österreich gehört bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung seit Jahren zur europäischen Spitzengruppe. An klugen Köpfen mangelt es nicht. Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen bringen regelmäßig hochqualifizierte Wissenschaftler und Ingenieure hervor.
Trotzdem entstehen hierzulande nur selten Unternehmen, die sich im internationalen Technologiewettbewerb dauerhaft behaupten. Während amerikanische Start-ups innerhalb weniger Jahre Milliardenbewertungen erreichen und weltweit expandieren, endet der Weg vieler österreichischer Gründer deutlich früher – oder er führt ins Ausland.
Die OECD nennt dafür mehrere Ursachen: wenig privates Wachstumskapital, eine vergleichsweise geringe Dynamik bei Unternehmensgründungen sowie regulatorische und administrative Hürden, die Innovationen ausbremsen.
Fördern allein reicht nicht
Österreich beantwortet wirtschaftliche Herausforderungen häufig mit neuen Förderprogrammen. Förderung kann helfen – sie ersetzt aber kein Umfeld, in dem Unternehmen wachsen können.
Entscheidend sind ausreichend privates Risikokapital, rasche Genehmigungsverfahren, ein leistungsfähiger Kapitalmarkt und ein Staat, der Gründern nicht bei jedem Wachstumsschritt neue Hürden in den Weg stellt.
Gerade hier verliert Österreich an Wettbewerbsfähigkeit. Wer für die internationale Expansion Investoren sucht, findet sie häufig eher in London, Zürich oder den USA als in Wien.
Das Ergebnis ist paradox: Der Staat finanziert Ausbildung und Forschung, doch ein Teil der späteren Wertschöpfung entsteht anderswo.
Verwaltung statt Wachstum
Seit Jahren wird über Digitalisierung, Innovation und den Technologiestandort gesprochen. Gleichzeitig klagen Unternehmen über langwierige Verfahren, komplexe Genehmigungen und einen Kapitalmarkt, der mit dem Tempo internationaler Technologiestandorte kaum mithalten kann.
Die Politik misst ihren Erfolg oft an Fördersummen. Für die Wettbewerbsfähigkeit ist jedoch entscheidender, wie viele Unternehmen aus einer Idee tatsächlich einen Weltmarkt entwickeln.
Denn ein Labor schafft noch keinen Technologiestandort.
Mehr Mut zur Größe
Österreich muss nicht das Silicon Valley kopieren. Aber das Land sollte sich fragen, warum viele gute Ideen zwar hier entstehen, die großen Wachstumschancen jedoch häufig anderswo genutzt werden.
Eine echte Innovationspolitik endet nicht bei der Forschungsförderung. Sie beginnt dort, wo Unternehmen wachsen, Investoren finden und internationale Märkte erobern können.
Österreich braucht deshalb weniger Symbolpolitik und mehr wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Unternehmergeist belohnen statt verwalten.
Wer Innovation ernst meint, darf Forschung nicht als Endpunkt betrachten.
Sie ist erst der Anfang.
