Wladimir Putin erlebt im Februar 2022 eine unangenehme Überraschung: Es gelingt der ukrainischen Armee (ZSU; Zbrojni Sili Ukraini), die russischen Angreifer aufzuhalten. Der Enthauptungsschlag gegen die Hauptstadt Kiew mit ihren zentralen Einrichtungen misslingt. Unmittelbar danach wäre es von Selenski klug und – was die eigene Bevölkerung betrifft – menschenfreundlich gewesen, zu verkünden: Landsleute, wir müssen uns ergeben. Es hat keinen Sinn, gegen eine Atommacht Krieg zu führen. Wir weichen der Übermacht. Und wir gedenken mit Ehrfurcht und Dankbarkeit der Helden, die in den letzten Tagen ihr Leben für das Vaterland geopfert haben.
Mit diesem Akt der ehrenvollen Kapitulation hätte Selenski, der „Diener des Volkes“ (so nennt sich seine Partei) unendlich viel Leid seiner Bürger verhindert. Aber das macht er nicht, befiehlt trotzig das Weiterkämpfen, das sich zunächst als erfolgreich erweist. Ein Grund dafür ist, dass sich in den ersten Monaten des russischen Feldzuges Zehntausende Freiwillige – Männer, aber auch viele Frauen – den ZSU anschließen.
Doch ab 2023 wird die Rekrutierung weiterer ukrainischer Männer für den Militärdienst zu einer zunehmenden Herausforderung für Kiew. Viele Jünglinge, die das nötige Kapital für Schmiergeldzahlungen besitzen, setzen sich gen Westen ab. Es entsteht eine Kluft zwischen denjenigen, die dienen und nicht wissen, wann sie demobilisiert werden, und denjenigen, die sich der Mobilisierung entziehen und den Krieg aus dem westlichen Ausland beobachten. Eine derartige Schieflage ist für die Gesellschaft in der Ukraine demoralisierend, beeinträchtigt den sozialen und politischen Zusammenhalt.
Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) schreibt in ihrer Ausgabe vom 22. Jänner 2026: „Hauptfaktoren für den heutigen Personalmangel der ZSU sind die institutionelle Schwäche und Korruption der Ukraine, soziale Ermüdung und mentale Erschöpfung, Mängel in der militärischen Ausrüstung, Ausbildung und Führung, demografische und wirtschaftliche Zwänge sowie der Einfluss russischer Propaganda. In der Öffentlichkeit, der Politik und der Fachwelt der Ukraine wird zwar intensiv darüber diskutiert, wie diese Hürden überwunden werden können. Die Hauptfrage aber, wie deutlich mehr Ukrainer motiviert werden können, sich freiwillig zum Dienst zu melden, rekrutiert zu werden und in den ZSU dauerhaft zu dienen, bleibt bis jetzt ungelöst.“
Die wachsende Zurückhaltung, an die Front zu gehen, stellt das Selenski-Regime vor ein Dilemma: Soll man weiterhin zwangsweise junge Männer in die Streitkräfte pressen (durch Greiftrupps, die sich auf den Straßen Jünglinge schnappen)? Oder soll man mit viel Geld Freiwillige anwerben? Beide Methoden versagen: Junge Männer meiden die Öffentlichkeit und viele lassen sich auch durch Geld nicht locken.
2025 steigt die Zahl der Deserteure rapide an. Auch das demoralisiert diejenigen, die (noch) treu zur Fahne stehen, erschöpft sind und von einem Heimaturlaub bloß träumen dürfen.
Was tun? Die NZZ hat da eine Idee: „Nicht zuletzt sollten die Länder, die heute eine bedeutende Zahl von Flüchtlingen aus der Ukraine aufnehmen, gemeinsam mit den ukrainischen Botschaften überlegen, welche Initiativen und Maßnahmen ukrainische Männer und Frauen motivieren könnten, in ihre Heimat zurückzukehren und sich der ukrainischen Armee anzuschließen.“
Hierzulande sieht man vor allem in Wien viele PKW, meistens SUV, mit dem Kennzeichen UA. Am Steuer regelmäßig ein junger Mann. Hier wäre in Kooperation mit Kiew eine Überprüfung durchzuführen, ob der Aufenthalt in Österreich legal oder Folge einer rechtswidrigen Entziehung von der Wehrpflicht ist. Im letzteren Fall wäre zu prüfen, ob es rechtliche Möglichkeiten – selbstredend unter Beachtung der Menschenrechte, der individuellen Lage (Ausnahmen für Familienväter, Kranke und Behinderte) und des Völkerrechts – gäbe, die Schmiergeldzahler, in extremis durch gelinde Druckanwendung, zur Heimreise zu bewegen, idealiter diese der ukrainischen Armee zuzuführen.
Damit wäre der Ukraine viel mehr gedient als mit milliardenschweren EU-Geschenken zulasten auch der österreichischen Steuerzahler.
