Doppelpass und Wehrpflicht: Wenn Loyalität zur Prüfung wird

Jeder sechste deutsche Wehrpflichtige besitzt eine zweite Staatsangehörigkeit. Was wie eine Randnotiz klingt, birgt erheblichen politischen und sicherheitspolitischen Sprengstoff – denn Loyalität ist keine mathematische Gleichung, sondern ein Fundament. Und dieses wird brüchig, wenn die Frage im Raum steht, welchem Staat man im Ernstfall tatsächlich dient.

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Autor: A.R. Bild: Wikipedia/Gertrud Zach, U.S. Army Lizenz: public domain


Laut Bundesverteidigungsministerium gilt für alle Soldaten der Bundeswehr der gleiche Pflichtenkanon, egal, ob mit einem oder zwei Pässen. Was nach Gleichbehandlung klingt, wirkt aber tatsächlich wie ein staatlicher Selbstbetrug. Denn wer beispielsweise neben der deutschen auch die russische oder türkische Staatsbürgerschaft besitzt, lebt nicht nur unter deutschem Recht, sondern potenziell auch unter direkter Einflussnahme aus Ankara oder Moskau. Das wird nicht durch eine Verfassungsformel neutralisiert.

340.000 junge Männer des Geburtsjahrgangs 2008 sollen künftig gemustert werden – fast 57.000 davon mit Doppelstaatsbürgerschaft. Das sind nicht nur Zahlen, sondern konkrete Loyalitätsfragen, die sich spätestens im Ernstfall stellen: Was passiert, wenn Vaterland A mit Vaterland B im Konflikt steht? Was, wenn Staat B seine „Söhne“ zur Fahnenpflicht ruft, wie im Falle russischer Doppelstaatsbürger, die Moskau einseitig als „eigene“ Rekruten ansieht?

Dass die meisten Doppelstaatsbürger aus der Türkei stammen, ist kein Zufall. Über Jahre hinweg wurde eine Politik betrieben, die kulturelle Parallelstrukturen nicht nur duldete, sondern indirekt förderte. Jetzt fordert diese Realität ihren Preis in der Frage nach Sicherheit, Verlässlichkeit und Wehrfähigkeit.

Die Bundesregierung versucht zu beschwichtigen: Man wolle keine Pauschalverdächtigungen, sondern „individuell prüfen“. Doch diese Prüfungen sind letztlich ein Ausdruck von Unsicherheit, denn die staatliche Loyalitätsfrage ist in der Realität angekommen. Es geht nicht mehr nur um Integration im Alltag, sondern um Treue im Ernstfall.

Die Wehrpflicht soll 2026 wieder greife, jedoch sie wirft jetzt schon ein Schlaglicht auf ein ungelöstes Kernproblem: den Umgang mit Mehrstaatlichkeit in sicherheitsrelevanten Bereichen. Wer sich nicht klar zu Deutschland bekennt, sollte keine Uniform tragen. Und wer sich als Staatsbürger in Uniform versteht, muss wissen: doppelte Pässe können doppelte Risiken bedeuten.

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