Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steht am politischen Abgrund. Nach dem Rücktritt seines Premierministers Sébastien Lecornu am Montag und einem regelrechten Börsenbeben wird noch heute ein neuer Regierungschef erwartet – ein verzweifelter Rettungsversuch, um die rasende Staatskrise zu stoppen. Mehr als ein Jahr politischer Lähmung, eine zerrissene Nationalversammlung, Rekordschulden von 114 % des BIP, 15,4 % Armutsquote und verlorene Sozialreformen: Das ist die Bilanz eines Präsidenten, der einst als Hoffnungsträger gefeiert wurde und nun als Symbol des globalistischen Scheiterns gilt.
Marine Le Pen kündigte bereits an, jeder neuen Regierung die Gefolgschaft zu verweigern. Ihre Partei, der Rassemblement National, wird in Umfragen von Monat zu Monat stärker. Kein Wunder, denn der Eindruck, dass Macron sich nur noch über Wasser hält, drängt sich auf – sein letzter Versuch, mit einer vorgezogenen Wahl im Frühjahr 2024 ein Mandat zurückzugewinnen, endete in einer demütigenden Pattsituation.
Frankreich steht damit nicht nur vor einem politischen Dilemma, sondern vor einem historischen Scheideweg. Die wirtschaftliche Schieflage erinnert laut UBS-Analyst Simon Penn stark an Großbritannien in den 1970er-Jahren – mit einem zentralen Unterschied: Damals war der IWF das letzte Auffangnetz, heute droht Frankreich mit seinem Haushalt die Schuldenregeln der EU zu sprengen. Was damals der britische Drei-Tage-Woche-Schock war, könnte heute das französische Ausgeliefertsein an die EZB werden.
Die Lage ist so verzweifelt, dass Macron laut Kommentatoren mit der berühmten Heath-Frage aus dem britischen Wahlkampf 1974 konfrontiert wird: „Wer regiert dieses Land?“ Die Antwort scheint klar: nicht mehr er. Seine Regierung ist nicht regierungsfähig, seine Reformen gescheitert, seine Vision eine Karikatur. Ein weiterer Premier wird daran nichts ändern – das System Macron ist politisch und moralisch verbraucht.
Noch schlimmer: Während Frankreich im Chaos versinkt, tritt der Präsident mit technokratischer Arroganz auf – als gäbe es keine Alternative, keinen Volkswillen, keinen Schmerz. Doch der Schmerz ist da. Und er wächst.
