Der Tiananmen-Platz wurde zum Schaufenster einer neuen Weltordnung. Chinas Präsident Xi Jinping ließ 10.000 Soldaten in perfekter Synchronität marschieren, flankiert von den beiden „Parias“ der westlichen Presse: Russlands Präsident Putin und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Die Botschaft war so klar wie die Inszenierung: China ist militärisch bereit, politisch vernetzt – und sein Aufstieg ist nicht mehr aufzuhalten.
Zum ersten Mal zeigte Peking öffentlich die vollständige nukleare Triade: land-, see- und luftgestützte Atomwaffen. Darunter die DF-61 und DF-31 ICBMs, die JL-3 U-Boot-Rakete mit Reichweite bis ins US-Festland, sowie neue Langstreckenraketen. Mit dieser Präsentation signalisiert China: Jeder Angriff kann beantwortet werden, das Zweitschlagpotenzial ist gesichert. Für Washington bedeutet das nichts weniger als eine veränderte strategische Realität.
Doch die Parade war mehr als eine Machtdemonstration. Xi sprach von einer „Wahl zwischen Krieg und Frieden, Dialog und Konfrontation“ – ein Satz, der wie ein Friedensangebot klingt, tatsächlich aber mit rollenden Raketen unterlegt war. Die Anwesenheit Putins und Kims machte das Bild komplett: ein symbolisches „Achse des Umbruchs“, wie westliche Medien schreiben.
Donald Trump reagierte sarkastisch, sandte „beste Grüße“ an die drei und verwies auf Sieg der Vereinigten Staaten über Japan im Zweiten Weltkrieg – ein Hinweis darauf, dass ohne die USA China gar nicht an diesem Punkt stünde. Doch der Zeitpunkt der Parade ist brisant: Noch im Herbst könnte es ein Treffen zwischen Trump und Xi geben, mit Themen wie Zölle, TikTok und der Ukraine.
Während Xi Stärke durch Inszenierung zeigt, bleibt die Frage: Handelt es sich um bloße Drohkulisse oder um die offene Ansage, dass China seine Rolle als Supermacht militärisch untermauert? Für den Westen ist es ein Weckruf – denn das Bild dreier Atommächte Seite an Seite lässt keinen Zweifel: Die Weltordnung verschiebt sich, ob Washington will oder nicht.
