BRICS gegen den Westen: Eine neue Weltordnung aus Gold, Größe und Geduld

Während der Westen stagniert, formiert sich mit BRICS+ ein geopolitisches Schwergewicht – wirtschaftlich, strategisch und ideologisch. Der Dollar mag noch herrschen, doch der Widerstand nimmt Gestalt an.

by admin2

Autor: A.R. Bild: Wikipedia/Presidential Executive Office of Russia Lizenz: CC BY 3.0


Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die USA und China allein produzieren zusammen mehr Wirtschaftsleistung als 184 andere Länder dieser Welt. Und dennoch – oder gerade deshalb – verlagert sich die tektonische Plattenverschiebung der Weltordnung nicht mehr innerhalb des Westens, sondern zunehmend gegen ihn. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung: die BRICS-Staaten.

Was einst als Kooperation zwischen Brasilien, Russland, Indien und China begann, ist inzwischen ein globales Netzwerk von Schwergewichten und Aufsteigern – mit Südafrika, Iran, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Äthiopien und zuletzt auch Indonesien. Hinzu kommen zahlreiche Partnerstaaten, darunter Saudi-Arabien, Kasachstan, Malaysia, Nigeria und Kuba. Ein wachsender Club, dessen Mitgliedschaft kein bloßes Prestige, sondern handfeste wirtschaftliche Perspektiven bedeutet – insbesondere im globalen Süden.

Am 6. und 7. Juli 2025 treffen sich die BRICS+ in Rio de Janeiro zum nächsten Leaders’ Summit. Gastgeber ist Brasiliens Präsident Lula da Silva. Mit dabei: Putin, Xi, Modi und Ramaphosa – die Architekten einer multipolaren Weltordnung. Anders als viele westliche Think Tanks hoffen, ist BRICS keine „bunte Truppe“ widersprüchlicher Einzelinteressen, sondern ein Bündnis mit strategischem Tiefgang.

Während das G7-Lager schrumpfende Bevölkerungen, stagnierende Wachstumsraten und innere Fragmentierung erlebt, verzeichnen die BRICS+ 3,3 Milliarden Menschen und ein jährliches BIP-Wachstum von durchschnittlich 5 %. In Kaufkraft gemessen überholt BRICS sogar die G7 – 51,6 zu 48 Billionen US-Dollar.

Zugleich wächst die institutionelle Unabhängigkeit: Mit der BRICS Development Bank in Shanghai, dem eigenen Währungsfonds (CRA) und dem geplanten Zahlungsnetzwerk „BRICS Pay“ entstehen längst funktionierende Alternativen zu Weltbank, IWF und SWIFT. Keine Revolte, sondern ein sezierend genauer Parallelaufbau – schleichend, aber zielgerichtet.

Trotz zahlreicher Gerüchte wird es im Juli keine BRICS-Währung geben, keinen Goldstandard und keine Absage an den US-Dollar. Wer das fordert, verkennt historische und technische Realitäten – selbst der Euro benötigte Jahrzehnte und umfassende Vorläuferprojekte wie das EWS. Was jedoch stattfindet, ist bedeutsamer als mancher Symbolakt: Die BRICS zahlen zunehmend in eigenen Währungen, tauschen Reserven untereinander – und setzen als stilles Rückgrat auf Gold.

Denn Gold, das seit 1971 offiziell von keinem Währungssystem mehr gedeckt ist, erlebt eine Renaissance – nicht als offizieller Standard, sondern als faktische Leitwährung unter den BRICS. Russland hat seit 2009 seine Reserven vervierfacht, China hält laut offiziellen Zahlen über 2.200 Tonnen – Tendenz steigend. Indien ebenfalls. Und was offiziell nicht auftaucht, ist privat in Millionen Haushalten gelagert – etwa in Form von indischem Familienschmuck. Diese Rückbesinnung auf werthaltige, nicht konfiskierbare Assets ist eine stille Kriegserklärung an die US-Sanktionspolitik.

Der Rio-Gipfel wird keine monetäre Revolution bringen – aber eine strategische Weiterentwicklung der geoökonomischen Gegenwelt. Neue Mitglieder, stärkere Handelsräume, unabhängige Abwicklungssysteme: Jeder dieser Schritte erschüttert langfristig das Fundament der Dollar-Hegemonie, ohne sie frontal anzugreifen. Das ist nicht spektakulär, aber wirksam.

Wer heute lacht, sollte an das Jahr 1914 denken – als das britische Pfund unantastbar schien. Dreißig Jahre später war es Geschichte. Die Umwälzung kam leise, aber endgültig.

Das könnte Sie auch interessieren