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Die Berliner Staatsoper hat ein abgeschlossenes Auswahlverfahren kassiert, nachdem eine Anfrage der „taz“ zur Burschenschaftszugehörigkeit des vorgesehenen Orchestermanagers einging. Nicht Kompetenz, nicht Berufserfahrung, sondern das richtige politische Etikett entscheidet heute über Karrierechancen im Kulturbetrieb. Der Ablauf ist bezeichnend: Erst bestätigt das Haus, das Verfahren sei abgeschlossen. Nach der „taz“-Anfrage folgt plötzlich Zurückhaltung, Schweigen, Verschiebung. Die Entscheidung wird „zu einem späteren Zeitpunkt“ kommuniziert. In einem Umfeld, das sich permanent als Hüter der internationalen Offenheit inszeniert, entsteht ein System, in dem ein Traditionsverein als Makel gilt.
Vertreter von Linken und Grünen stellen den Fall als Selbstverständlichkeit dar. Eine Personalie passe nicht zum Leitbild der Staatsoper, wenn der Kandidat aus einem „solchen Umfeld“ komme. Die politische Argumentation bleibt dabei dünn, aber die Botschaft ist klar: Kultur soll nur von jenen repräsentiert werden, die in die ideologische Komfortzone passen. Die Forderung nach einer Person „ohne politische Vorbelastung“ ist in dieser Logik nichts anderes als ein Code für ein selektives Weltbild, das bürgerlich-konservative Milieus systematisch ausschließt. Der Zusatz, es möge „bestenfalls eine Frau“ sein, rundet die Erwartungshaltung ab: Identität statt Qualifikation.
Thorsten S. selbst weist zurecht darauf hin, dass seine Mitgliedschaften keinerlei Widerspruch zu seiner jahrelangen internationalen Arbeit darstellen. Der Musikbetrieb ist global, professionell und fachlich definiert. Doch im Berliner Kulturbetrieb gilt ein anderes Koordinatensystem. Die Rostocker Burschenschaft Redaria-Allemannia ist jüngst wieder in die Deutsche Burschenschaft eingetreten, die Münchner Franco-Bavaria wird von Kritikern seit Jahren pauschal politisch etikettiert – und genau diese narrative Schablone ersetzt jetzt die Prüfung tatsächlicher Eignung.
Der Vorgang zeigt, wie weit der politische Einfluss auf öffentliche Kultureinrichtungen reicht. Eine Anfrage eines klar positionierten Mediums genügt, um ein Auswahlverfahren zu stoppen. Nicht, weil neue Fakten auftauchten, sondern weil die Angst vor moralischem Druck größer ist als das Vertrauen in die eigene Entscheidung. Kulturinstitutionen, die sich ständig auf Offenheit berufen, praktizieren in Wahrheit eine Form von Ausschluss, die nur noch ideologisch motiviert ist. Der Fall ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom: Gesinnung wird zum zentralen Einstellungskriterium, während Fachlichkeit zweitrangig wird.
