Zum ersten Mal seit 1945 hat Deutschland wieder dauerhaft Soldaten über die eigenen Grenzen hinaus verlegt. Ziel: Litauen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach bei einer Militärparade in Vilnius vom Schutz der „baltischen Freunde“ – und stellte damit klar: Die Bundesrepublik will nicht mehr nur wirtschaftlicher Riese, sondern auch militärischer Akteur auf dem Kontinent sein. Der symbolträchtige Schritt reiht sich ein in eine Serie von Maßnahmen europäischer Regierungen, die NATO-Ostflanke zu „stärken“ – und markiert in Wahrheit eine Eskalation ohne historische Parallele.
Denn die Realität auf dem Schlachtfeld sieht anders aus, als das mediale Dauerfeuer suggeriert: Die Ukraine verliert. Die russische Strategie der Abnutzung greift – insbesondere im Raum Charkow mehren sich die Durchbrüche. Weder Macron noch Starmer oder Merz konnten bislang erklären, was das strategische Ziel einer weiteren Eskalation sein soll – außer der illusorischen Hoffnung, den russischen Sieg durch Truppenverlegungen hinauszuzögern. Putin selbst hatte mehrfach betont, dass NATO-Truppen in der Ukraine eine rote Linie bedeuten würden – eine rote Linie, die nun gefährlich nahekommt.
Parallel dazu läuft das wirtschaftspolitische Europa in die nächste Sackgasse. Während die USA bereit sind, längst überfällige Handelsvereinbarungen zu treffen, blockiert Brüssel mit Bürokratensprache und Handelsbarrieren jegliche Einigung. Die Trump-Regierung hatte zuletzt ein klares Ultimatum formuliert – ein 50-Prozent-Zoll auf EU-Güter steht im Raum. Doch statt konstruktiver Lösungen liefern EU-Verhandler weiter Symbolpolitik: Weder die Agrarhürden noch der protektionistische Meursing-Mechanismus werden aufgeweicht, obwohl sie den transatlantischen Handel massiv behindern.
Experten wie Daniel Lacalle weisen zurecht darauf hin, dass viele US-Forderungen deckungsgleich mit den Warnungen des Draghi-Berichts zur Überregulierung Europas sind – und dass selbst Länder wie Marokko und China bessere Zugänge zum europäischen Markt haben als US-amerikanische Landwirte. Die Handelsbilanz spricht Bände: Ein EU-Überschuss von 150 Milliarden Euro, bei massiv höheren Produktionskosten als in den USA – nur durch protektionistische Strukturen möglich. Wer sich also auf die USA einschießt, gefährdet nicht nur das Verhältnis zu Washington, sondern auch den inneren Zusammenhalt der EU-Wirtschaft.
Während Europa außenpolitisch zur Kriegspartei und innenpolitisch zur wirtschaftlichen Bremse wird, stehen die Zeichen auf Sturm. Die wirtschaftlich stärkeren Staaten verlieren die Geduld – und die Bürger verlieren das Vertrauen. Das „Projekt Europa“, das einmal Frieden und Wohlstand versprach, entwickelt sich zur geopolitischen Selbstblockade.
