US-Präsident Donald Trump hat die Einführung eines 50-Prozent-Zolls auf EU-Güter überraschend auf den 9. Juli verschoben. Noch am Freitag hatte der republikanische Präsident mit der Maßnahme ab 1. Juni gedroht – nun bleibt Brüssel ein Monat Aufschub, um Verhandlungen zu führen. Das gab Trump am Sonntagabend auf Truth Social bekannt, nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen telefonisch um eine Fristverlängerung gebeten hatte.
„Es war mir ein Privileg“, ließ Trump wissen – mit dem Verweis, die Gespräche würden „rasch“ beginnen. Von der Leyen sprach auf X von einem „guten Gespräch“ und kündigte an, man wolle „schnell und entschlossen“ zu einem Deal kommen. Dass die EU jedoch zu ernsthaften Zugeständnissen bereit ist, darf bezweifelt werden – zu oft hat man sich in Brüssel an die eigenen roten Linien geklammert.
Trump hatte die Strafzölle mit „fehlender Fortschritte“ in den Gesprächen begründet und insbesondere EU-Mehrwertsteuern, regulatorische Hürden für US-Firmen und die uneinheitliche Zollpraxis der Mitgliedstaaten kritisiert. Laut dem Handelsbeauftragten der USA (USTR) gehören dazu auch technische Standards, Umweltvorgaben und Verpackungsrichtlinien, die US-Produkte vom europäischen Markt fernhalten – trotz internationaler Zertifizierungen.
Fakt ist: Die USA und die EU pflegen die weltweit engste bilaterale Handelsbeziehung – aber auch eine der asymmetrischsten. Während europäische Waren vergleichsweise ungehindert in die USA gelangen, sehen sich US-Exporteure mit einem Fleckerlteppich aus Zöllen, Normen und Vorschriften konfrontiert. Fisch und Meeresfrüchte: bis zu 26 % Zoll. LKWs: 22 %. Fahrräder: 14 %. Pkw: 10 %. Verarbeitete Lebensmittel: extrem kompliziert.
Ein zentraler Kritikpunkt: das sogenannte Meursing-System, das Zölle auf Basis von Milchfett-, Zucker- und Stärkegehalt berechnet – ein bürokratischer Albtraum für US-Exporteure. Hinzu kommt: Die EU hat keine zentrale Zollbehörde. Jeder Mitgliedstaat setzt seine eigenen Regeln durch – inklusive nationaler Interpretation.
Ob es nun zu einem Deal kommt, bleibt offen. Trump hat der EU die Pistole auf die Brust gesetzt – erneut. In Brüssel wird man hoffen, dass er sie noch einmal einsteckt. Aber wer den Ton vorgibt, ist längst klar.
