Die Schlagzeilen des politischen Establishments sind schnell geschrieben: „AfD unterliegt in allen Stichwahlen.“ Doch wer die Zahlen liest, erkennt ein ganz anderes Bild. In Gelsenkirchen erreichte der AfD-Kandidat Norbert Emmerich 26.511 Stimmen – fast 27 Prozent. In Duisburg kam Carsten Groß auf über 33.000 Stimmen, in Hagen Michael Eiche auf mehr als 17.000. Das sind Ergebnisse, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Die AfD drückt damit in klassischen SPD-Hochburgen bereits in eine Größenordnung, die nicht mehr ignoriert werden kann.
In Hagen etwa verbesserte Eiche sein Ergebnis in der Stichwahl um sieben Prozentpunkte – ein klares Signal: Je mehr Bürger die AfD kennenlernen, desto größer wird ihr Rückhalt. Auch in Gelsenkirchen, wo Andrea Henze (SPD) 66,9 Prozent holte, darf man nicht vergessen: Ein Drittel der Wähler stellte sich gegen das alte Machtkartell. Für eine Stadt, die über Jahrzehnte von roter Parteibürokratie dominiert wurde, ist das ein politisches Erdbeben.
Währenddessen brechen die alten Parteien selbst dort auseinander, wo sie noch Erfolge feiern. In Duisburg musste SPD-Mann Sören Link kurz vor seiner Wiederwahl die eigene Parteiführung öffentlich attackieren: „Ich habe keine Lust, verarscht und beschissen zu werden.“ Wer so spricht, zeigt, wie tief die Krise selbst im Kernmilieu der Sozialdemokratie ist. Auch in Dortmund, wo die SPD nach fast 80 Jahren die Macht verlor, ist der Absturz offenkundig.
Die AfD hat in dieser Wahlrunde keine Rathäuser erobert – aber sie hat die Gewichte verschoben. Ihre Kandidaten holen Ergebnisse, die in den Parteizentralen von SPD und CDU Panik auslösen. Wer glaubt, das sei eine Niederlage, verkennt die Dynamik: Von Wahl zu Wahl wächst die AfD, während die Volksparteien nur noch Rückzugsgefechte schlagen. Der Tag, an dem auch in westdeutschen Großstädten ein AfD-Oberbürgermeister vereidigt wird, rückt näher.
