Hell und dunkel

Über die Bedeutung der Hautfarbe in Indien

by admin2

Autor: E.K.L. Bild: picryl Lizenz: –


Obwohl sich in Österreich nur eine verschwindende Minderheit der Menschen durch eine dunkelbraune bis schwarze Hautfarbe auszeichnet, vermittelt die Reklame den Eindruck, die Firmen würden dem Grundsatz folgen, wonach von drei Models eines dunkelhäutig sein müsse. Ob solches das Publikum anspricht?

In Indien, so berichtet die angesehene „Neue Zürcher Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom 12. Jänner 2026 (Die Präferenz für helle Haut hält sich in Indien hartnäckig. Ein zarter Teint gilt als Schönheitsideal und Statussymbol …), gelte hingegen das Motto: Je heller, desto angesehener. Damit befindet sich der hinduistisch geprägte Subkontinent im Einklang mit vielen Gegenden der Welt. Das mögen woke Zeitgenossen als überaus diskriminierend empfinden, aber es ist halt so. Hierzulande wollen „die Guten“ mit sanfter Gewalt dem Grundsatz „Black is beautiful“ Geltung verschaffen. Obwohl Gegensätzliches zutage tritt: Denn bei den Heiligen Drei Königen haben  alle weiß zu sein. Schämt man sich etwa des Mohren?

Was schreibt nun die renommierte NZZ? Der Artikel hebt mit folgender Feststellung an: „Schaltet man in Indien den Fernseher an, sind die Moderatorinnen und Nachrichtensprecher fast alle hellhäutig. Auch die Models in den Werbeanzeigen sind meist von hellem Teint, selbst wenn sie typisch indische Produkte wie Saris oder Samosas bewerben. Und die Schauspielerinnen in Bollywood-Filmen sind in der Regel so hell, dass man sie leicht für Iranerinnen oder Italienerinnen halten könnte. Nur die Bösewichte werden im Hindi-Kino mit dunkelhäutigen Darstellern besetzt. Denn dunkle Haut ist in Indien negativ besetzt.“

Die Abwertung dunkler Haut bleibe, so die NZZ, weit verbreitet. Ein heller Teint gelte als schön und erstrebenswert, dunkle Haut dagegen als Makel. Diese Obsession mit der Hautfarbe präge den Alltag in Indien – von der Jobsuche über den Heiratsmarkt bis in die Film- und Werbebranche.

Über ein entscheidendes Kriterium für den Wunschpartner formuliert die NZZ: „Das Ideal von heller Haut spielt eine besonders große Rolle bei der Partnersuche. In Heiratsanzeigen wird ‚fair skin‘ nicht nur von den heiratswilligen Kandidaten besonders hervorgehoben, sondern auch offen als Kriterium für den Wunschpartner genannt …“

Der Druck, diesem Schönheitsideal zu entsprechen, sei besonders für Frauen recht hoch. Männer könnten auf dem Heiratsmarkt ihre dunkle Haut eher durch eine gute Bildung oder ein hohes Einkommen ausgleichen. Frauen würden dagegen vor allem an ihrem Äußeren gemessen. Dunkelhäutige Frauen würden daher oft von Verwandten und Bekannten gedrängt, etwas gegen ihren dunklen Teint zu unternehmen. Sonst, so die verbreitete Warnung, würden sie keinen guten Mann finden.

Woher stammt nun die Vorliebe für den helleren Hauttyp? Bereits in den alten Hindu-Mythen, so ist in der Zürcher Tageszeitung zu lesen, sei dunkle Hautfarbe negativ besetzt gewesen. So würden in antiken Texten die einheimischen Stämme entlang des Indus als barbarisch, gottlos und dunkler als die arischen Invasoren aus dem Nordwesten (oft aus dem Iran, dem „Land der Arier“) beschrieben. Seit dem Mittelalter seien die Eliten meist hellhäutiger als der Rest der Bevölkerung. Die englischen Kolonialherren taten dann ein Übriges, um den Zusammenhang zwischen heller Haut und Macht im allgemeinen Bewusstsein zu verankern. Weil britische Beamte die indischen Volksgruppen und Kasten gemäß ihrer Hautfarbe einteilten.

Der Beitrag in der NZZ endet mit einem Beispiel: „Auch die Juristin Kalim, die wegen ihrer Haut schon öfter von Männern abgewiesen worden ist, setzt sich in ihrer Familie und ihrem Bekanntenkreis gegen die Diskriminierung Dunkelhäutiger ein.“ Ein höchst lobenswertes Unterfangen.

Unter uns: Die arme Kalim könnte freilich auch aus anderen Gründen als ihrer Hautfarbe bei den Mannsbildern eine Abfuhr bekommen haben. Etwa, weil da eine attraktivere Eva in Griffweite war …

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