Reaktionärer Adventkalender II

by admin2

Der Verfasser dieser Zeilen ist ein wenig übellaunig. Nun muss er doch die Namen der neuen SPD-Spitze „googeln.“ Irgendwie hat er gehofft, dass ihm und der SPD dieses Schicksal erspart bleibt. Nicht nur wegen des zusätzlichen Arbeitsaufwandes, sondern auch aufgrund von Restsympathien für die Partei Helmut Schmidts, Gerhard Schröders, Thilo Sarrazins und Heinz Buschkowskys.

Nun gut: Saskia Eskens und Norbert Walter-Borjans. Das wird dauern, bis das sitzt. Dabei hat man sich gerade erst an Olaf Scholz gewöhnt.

Die beiden Kandidaten, welche die Große Koalition in Frage stellen und als trojanische Pferde von JUSO-Chef Kevin Kühnert gelten, wurden mit 53 Prozent gewählt. Mit einer Wahlbeteiligung von 54 Prozent. Dies bedeutet, dass sich ein Viertel der SPD-Mitglieder für das linke Duo ausgesprochen hat. Etwas weniger als ein Viertel für das gemäßigte Duo. Und die Hälfte konnte sich gar nicht erst für einen Kandidaten erwärmen bzw. für das mühsam-langwierige Prozedere.

Das Problem bei schrillenden Alarmsirenen ist, dass man sich irgendwann sogar daran gewöhnt. Wie Baustellen-, Verkehr- oder Fluglärm in der Nachbarschaft.

Wie geht es nun weiter? Die SPD könnte die große Koalition verlassen und ihr Heil in der Opposition suchen. Dann beginnt das große Manövrieren, Taktieren, Hinterzimmerpalavern. Kann die CDU mit AKK eine Jamaika-Koalition oder Arbeitsübereinkommen zusammenschustern. Können sich die Werteunion und Friedrich Merz durchsetzen. CDU-FDP mit AfD-Duldung. Kommt es gleich zu Neuwahlen. Und wird angesichts des angekündigten Chaos Merkel dem Cincinnatus gleich zurückgerufen: Das Chaos oder ich…

Och Kevin. So was Nettes zum ersten Advent. Und dazu noch selbst gebastelt.

Angesichts dieser Optionen, welche zwar Unterhaltung versprechen, aber keinen Ausweg, hätte man eigentlich gleich Böhmermann zum SPD-Vorsitzenden per Akklamation ernennen können.

Denn der Schmäh war wirklich witzig.

Während die SPD sich selbst den Kopf abschlägt und wie ein Huhn noch ein paar Runden im Kreis rennt, macht die AfD einen großen strategischen Schritt Richtung Mitbestimmung.

Am Bundesparteitag wurde Meuthen bestätigt und Chrupalla zum Nachfolger Gaulands gewählt. Höcke richtete ein Angebot an die thüringische CDU. Die AfD ist bereit eine Minderheitsregierung der Union zu stützen, wenn sich die Union wieder ihrer konservativen Wurzeln sowie der Vernunft besinnt. Zwischen den Zeilen ist das auch ein Angebot an die CDU im Bund. Wenn die SPD implodiert und ihr Merkel loswerdet, könnten wir eine Minderheitsregierung stützen.

Angesichts der Streichung von 10.000 Stellen bei Daimler und der Entpuppung des Abschiebezirkus als perpetuum mobile – knapp 30.000 ausgewiesene Asylanten sind erneut eingereist – drängt die Rekonservatisierung der Union.

Was am AfD-Parteitag zusätzlich positiv überraschend auffiel war die Redezeitbeschränkung der Kandidaten. Genial. So viele Stunden verlorener Lebenszeit, weil schon alles gesagt war, aber noch nicht oft genug, können nun wieder zurückgewonnen werden. Ein Signal an alle anderen Parteien, Vereine und ähnliche Organisationen. Lasst die Leute früher heim zu Frau und Kind. Beschränkt die Redezeit.

Unterdessen dachten sich Kohlearbeiter in der Lausitz: Warum den Spieß nicht umdrehen. Sie stellten sich vor die „Ende Gelände“-Demonstranten, die den Kohle-Betrieb lahmlegten mit Plakaten: Ohne uns ist der Bio-Latte kalt. Wir liefern Strom Tag und Nacht.

Zudem stellten sie sich vor einen Lieferwagen der Demonstranten – dieser war pikanterweise mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet – und skandierten „Diesel aus. Diesel aus.“

Die Botschaft zwischen den Zeilen ist unmissverständlich: Lasst uns endlich wieder an unseren Arbeitsplatz. Lasst die Polizei endlich wieder Kriminelle jagen. Und sucht Euch gefälligst einen Arbeitsplatz, anstatt andere von ihrer Arbeit abzuhalten.

Die nächste große Überraschung war der Abfahrtssieg eines Deutschen. Und die Österreicher sind bei der EM.

[Autor: G.B. Bild: www.wikipedia.org/ Jonas Rogowski Lizenz: CC BY-SA 3.0]

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