Der neue Radiokanal „Austria First“ beschäftigt nunmehr auch die internationale Presse. Zum Beispiel die renommierte „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ), wo in der Druckausgabe vom 7. Februar die bekannt linksorientierte Wiener Korrespondentin Meret Baumann nicht umhinkann (mutmaßlich mehr nolens denn volens), dem freiheitlichen Radiosender Respekt zu zollen. Unter der Überschrift „Parteipropaganda zwischen Musikhits – in Österreich erweitern die Freiheitlichen ihr Medienimperium um einen Radiosender“ ist unter anderem zu lesen (die folgenden Ausführungen sind wörtliche Zitate aus dem Baumann-Artikel):
Österreichs Rechtspopulisten haben ein Medienuniversum aufgebaut, über das sie ungefiltert Millionen erreichen. Sie nehmen damit auch im Ausland eine Vorreiterrolle ein. Die FPÖ steht in Österreich mit ihrer Parteihymne an der Spitze der Hitparade. ‚Immer vorwärts FPÖ‘ heißt der bierzelttaugliche Schlager, mit dem die Hausband der wählerstärksten Partei Österreichs die Download-Charts stürmt. Das Heimatland wird darin besungen, der Frieden, für den man kämpfe, Jörg Haider und natürlich der Parteichef Herbert Kickl. ‚Patrioten bleiben wir, na na na na na‘ lautet der Refrain des Songs. Dass eine Parteihymne die Hitparade anführt, ist ungewöhnlich, zumal sie von den regulären Radiosendern nicht gespielt wird.
Das Nachrichtenprogramm wird von der Partei gestaltet, und zwei am Wochenende laufende Talk-Formate werden von FPÖ-Parlamentarierinnen moderiert. Es seien ‚Informationen, die frei sind von Regierungsfilter, linkem Zeitgeist, Woke-Klamauk und Gender-Wahnsinn‘, sagte Kickl beim Start des Senders.
Austria First ist der neueste Kanal in der gut ausgebauten Medienwelt der FPÖ. Die Partei betreibt bereits seit 2012 FPÖ-TV, das auf Youtube über 240 000 Abonnenten hat. Die Videos werden zudem auf den reichweitenstarken Social-Media-Plattformen der Partei verbreitet. Allein auf Facebook folgen Kickl 340 000 Menschen, Bundeskanzler Christian Stocker kommt dagegen nur auf knapp 9000 Follower. Über all diese Kanäle erreicht FPÖ-TV laut Kickl mittlerweile 2,4 Millionen Menschen.
Gebündelt sind alle diese Aktivitäten seit einem Jahr im FPÖ-Medienhaus, das bereits damals 15 Mitarbeiter hatte. Man sei auf allen Kanälen präsent und erreiche bei jeder Pressekonferenz mehr Menschen als alle anderen Parteien zusammen, erklärte der FPÖ-Generalsekretär bei der Präsentation. Zu den eigenen Plattformen kommt eine Reihe von Kanälen mit einem offenkundigen Nahverhältnis – etwa die auf den äußersten rechten Rand zielenden Magazine ‚Zur Zeit‘ und ‚Info-Direkt‘.
Am bedeutendsten ist mittlerweile aber der vor fünf Jahren gegründete Internetsender AUF1, der als eines der größten der sogenannten Alternativmedien im deutschsprachigen Raum gilt. Er hat seinen Sitz in Linz, fokussiert aber auch stark auf Deutschland. Mangels einer Sendelizenz verbreitet AUF1 die Inhalte über seine Website, über einen Youtube-Kanal mit 175 000 Abonnenten und an rund 300 000 Follower auf Telegram. Kickl gab dem Sender auch sein erstes Interview nach dem Wahlsieg im Herbst 2024.
Heute ist die FPÖ mit ihrer Medienstrategie anderen Parteien meilenweit voraus und dient als Vorbild im In- und Ausland. In Österreich lancierten die Sozialdemokraten erst kürzlich den Youtube-Sender SPÖ eins, der allerdings erst 4000 Abonnenten hat. In Deutschland betreibt die AfD seit 2016 einen Kanal mit mittlerweile knapp 370 000 Followern, sie veröffentlicht aber weniger Inhalte als die Schwesterpartei in Österreich und verzeichnet trotz der viel größeren Bevölkerung ähnlich viele Zugriffe. Nun prüft die AfD auch einen Radiosender nach dem Vorbild von Austria First, wie die ‚Bild‘-Zeitung meldete.
Die FPÖ hat mit ihrem von Kickl als früherem Generalsekretär maßgeblich aufgebauten Medienhaus die Mittlerfunktion klassischer Medien inzwischen praktisch ausgeschaltet, wie es der heutige Parteichef schon vor Jahren ankündigte. Auch für die traditionellen ORF-Interviews mit den Parteichefs zum Jahreswechsel sagte er dieses Mal ab. Laut den Umfragen schadet ihm das nicht: Die FPÖ liegt mit rund 35 Prozent Zustimmung weit vor allen anderen Parteien. (Ende der Zitate)
